Franziska von Hohenheim – was für eine Biographie!

Am 27. Oktober machten wir nach langer Zeit einen kleinen hochinteressanten Ausflug zur Mauritiuskirche nach Sindlingen.

Man könnte sagen „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“. Nur wenige kannten den geschichtsträchtigen Ort, obwohl nur 5 km entfernt von Mötzingen. Als Referenten begrüßte unsere Vorsitzende, Heidi Morlok, den Nagolder Historiker Eckhart Philipp Kern, sowie die Teilnehmer ganz herzlich und freute sich, dass so viele der Einladung gefolgt sind. Herrn Kern gelang es, die Mauritiuskirche in Sindlingen, das Leben und Wirken und die große historische Bedeutung Franziska von Hohenheim sehr amüsant und kurzweilig uns Mötzinger LandFrauen vorzustellen und zu erläutern. Herr Kern ging auf die Kanzel und erklärte zunächst die Kirche. Das ansonsten schlichte Chorfenster schmückt zwei Wappen. Das linke Wappen ist eine Kombination des württembergischen Landeswappen und des speziell für Franziska geschaffene Wappen von Hohenheim. Das rechte Wappen ist das Wappen der Familie Bernerdin die von 1640 bis 1782 die Lehensherren von Sindlingen waren. An der Wand stehen fünf Grabsteine ehemaliger adliger Besitzer von Sindlingen. Der Grabstein direkt unter der Kanzel erinnert an Baron von Bernerdin. Mit ihm starb die Familie im Mannesstamme aus. In der Nische vor dem südlichen Fenster steht eine Gipsbüste der Franziska von Hohenheim, der berühmtesten Besitzerin von Sindlingen.

Nach der Kirchenbesichtigung gingen wir zur Fortsetzung des Vortrages und zum gemütlichen Kaffeetrinken zum Hotel Schloss Sindlingen.

Wer war Franziska von Hohenheim?

Herr Kern erklärt die Kirche

Franziska von Hohenheim, geboren am 10. Januar 1748 in Adelmannsfelden. Sie war eine geborene Bernerdin, stammt aus einer verarmten Adelsfamilie und erhielt nur dürftigen Schulunterricht – sie lernte nie orthographisch richtig schreiben. Dies kann man im akribisch mit täglichen beschriebenen Abläufen im Tagebuch von Fränzele, wie Herzog Karl Eugen sie auch liebevoll nannte, sehen. Herr Kern hat einige Auszüge daraus vorgelesen. Sie heiratete 1765 gerade 16jährig den ungeliebten, aber vermögenden Freiherrn Fr. Wilhelm von Leutrum der die junge Frau in seinem Pforzheimer Palais mehr oder weniger eingeschlossen hat.

Nur 4 Jahre später, 1769 lernte Herzog Carl Eugen Franziska in Wildbad kennen. Sie wurde 1772 seine offizielle Mätresse. Während dieser Beziehung wandelte sich Herzog Carl Eugen vom Saulus zum Paulus. Die gütige, liebevolle, religiöse Franziska hatte sehr großen Einfluss auf den bis dahin in Saus und Braus lebenden Herzog. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1785 die inzwischen zur Reichsgräfin von Hohenheim erhobene Franziska.

Nach dem Tod von Carl Eugen 1793 musste der Engel Württembergs, wie das Volk sie wegen ihrer wohltätigen Art nannte, das Schloss Hohenheim verlassen und bezog 1795 das Schloss Kirchheim, wo sie am Neujahrstag 1811 an Unterleibskrebs verstarb. Entgegen ihrem Wunsch, an der Seite des Herzogs beigesetzt zu werden, war ihre letzte Ruhestätte eine Gruft im Chor der Kirchheimer Martinskirche.

Heidi Morlok bedankte sich bei Herrn Kern für den lehrreichen, interessanten und lebendigen Vortrag mit einem Präsent. Sie meinte, erst heute haben wir durch sie erfahren, welch Kleinod wir in unserer direkten Nachbarschaft haben.

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