Prag ist eine Reise wert

Wenn Steine reden könnten, was würden sie von Prag erzählen?  Sicher von König Karl IV., von all den Wohltaten mit denen er seine Heimatstadt Prag und sein Königreich Böhmen bedachte. Der Veitsdom, das alte Hradschin-Palais, die Karlsbrücke und die Karlsuniversität sind wohl die bekanntesten.

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Mit Helena als Reiseleiterin erkundeten im Mai  LandFrauen mit Partner aus verschiedenen Vereinen vier Tage diese Stadt. Am ersten Tag beeindruckte die Burg, die weit sichtbar über der Stadt thront. Über den imposanten ersten und zweiten Burghof kommt man zum Dom St. Veit. Er war im Mittelalter Krönungskirche und Grablege der böhmischen Könige. Eine künstlerisch bedeutende Außenansicht bietet die Südseite mit dem Glasmosaik.  Durch die goldene Pforte schritten Könige bei den Krönungsfeierlichkeiten.

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Auf dem Gelände sind alle Baustile vertreten und machen deutlich, welche Bedeutung die Burg über Jahrhunderte hatte.   Parallel zur Burgmauer verläuft das Goldmachergässchen, gesäumt von winzigen, bunt gestrichenen Häuschen. Früher wohnten hier die Burgwächter, später durften sich auch Goldschmiede niederlassen. Heute ist das Angebot vielseitig für unzählige Touristen, die täglich durch die Gasse schlendern.

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Zur vollen Stunde präsentiert sich bei der Wachablösung die uniformierte Burgwache. Mit zackigen Schritten marschieren sie ab,  den Blick weder nach rechts oder links gerichtet.

Prag zu Fuß erfordert eine gute Kondition. Geschichtsträchtig ist der Wenzelplatz. Er war Schauplatz bedeutender politischer Ereignisse. 1968 setzen Panzer dem „Prager Frühling“ hier ein Ende. Gut zwanzig Jahre später bewirkten die friedlichen Demonstrationen den Sturz des kommunistischen Regimes.

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Den oberen Teil des Platzes beherrscht das Reiterdenkmal des hl. Wenzel. Der Altstädter Ring  ist ein weiträumiger Platz, am Kreuzungspunkt internationaler Handels- und Verkehrswege. Seit dem Hochmittelalter ist er bekannt für prunkvolle Krönungszüge, Ritterturniere, Reiterspiele, politische und religiöse Versammlungen, aber auch Hinrichtungen und Massaker. Stattliche Bürgerhäuser und elegante Adelspalaise bilden den Rahmen. Beherrschend ist das Jan-Hus-Denkmal.

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Er hatte mehr als hundert Jahre vor Martin Luther die Ablassgeschäfte der katholischen Kirche attackiert  und nur die Heilige Schrift als Grundlage der christlichen Lehre gelten lassen. 1415 hatte er die Kühnheit auf dem Konzil in Konstanz seine Meinung zu vertreten. Er musste dies mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen büßen.  Im Sockel des Denkmals steht sein Vermächtnis: „Liebt die Wahrheit, verteidigt die Wahrheit und gönnt jedem die Wahrheit.“

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Schon im 9./10. Jahrhundert kamen jüdische Kaufleute auf Handelswegen nach Prag. Ihr Schicksal wechselte zwischen Blüte und Verfolgung. Seit der Prager Synode (1349) unter Karl IV. waren die Juden vom Handel ausgeschlossen und wurden in die damals verpönten Geldgeschäfte gedrängt, sie mussten im Getto leben, gelbe Kleidung und Spitzhüte tragen. Ab 1781 lockerten sich die strengen Getto-Vorschriften. Von 35000 Prager Juden überlebten nur ein Sechstel die Zeit des Nationalsozialismus. Die Spanische Synagoge mit seiner prunkvollen Ausstattung im maurischen Stil soll auch an die blühende jüdische Kultur in Spanien erinnern.

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Auf dem alten jüdischen Friedhof beerdigten die Bewohner des Gettos ihre Toten aus Platzmangel in bis zu zwölf Schichten übereinander. Von den  etwa 12000 Grabstelen ist  das Grabmal des Rabbi Löw berühmt.

Die Burg Karlstein nimmt unter den tschechischen Burgen eine Sonderstellung ein. Sie wurde 1365 von Karl IV. erbaut, um den königlichen Schatz, eine Sammlung heiliger Reliquien sowie die Königsjuwelen aufzubewahren.

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Der steile Aufstieg zur Burg lohnte sich. Der Gang durch die verschiedenen Räume war erlebbare Geschichte.

In der Glashütte der Familie Rückl wurde die Herstellung des böhmischen Kristalls gezeigt. Das Schleifen des Glases ist Präzisionsarbeit. Der Arbeitsplatz, die Belüftung usw. waren nach allgemeiner Meinung schlecht und die Modelle nicht für uns als Kundschaft geeignet. Die Produkte werden vorwiegend nach Russland, in die Vereinigten Staaaten unddie arabischen Länder exportiert.

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Durch den blühenden Raps wurde außerhalb Prags deutlich, wie riesengroß die Parzellen sind, die landwirtschaftlich genutzt werden. Helena erzählte wie unter dem kommunistischen Regime die Landwirte gezwungen wurden, ihre Grundstücke in die sogenannten Kolchosen einzubringen. Oft wurden die Gehöfte abgerissen und die Menschen erhielten in den Plattenbauten eine Wohnung. Die Gesellschaft „gleich“ zu machen, bedeutete auch, dass z.B. ein Arztsohn nicht Medizin studieren durfte, dagegen wurde der Sohn eines Arbeiters besonders gefördert um dieses Ziel zu erreichen.

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Für die Mittagspausen hatte Helena Lokale ausgewählt mit böhmischer Küche. Die Knödel in verschiedenen Varianten bleiben in guter Erinnerung.

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Eine Reaktion zu “Prag ist eine Reise wert”

  1. Adelheid Rehder LFV Altes Land

    Liebe LandFrauen,
    wir planen, im nächsten Jahr nach Prag zu reisen. Ich glaube, Sie waren mit Ihrer Reiseleiteren Helena sehr zufrieden. Kannten Sie die Dame oder wurde
    Sie Ihnen über eine Reiseagentur zugeteilt? Können Sie mir bitte das Programm zukommen lassen.

    Vielen Dank und liebe Grüße aus dem Alten Land bei Hamburg.

    Adelheid Rehder, 1. Vorsitzende LandFrauenverein Altes Land

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