Goethes Frau – Christiane Vulpius

Als der berühmte Dichter und vornehme Freund des regierenden Herzogs eine Verbindung einging mit einem ungebildeten, vergnügungsfreudigen, recht derben Mädchen, war das für die vornehme Gesellschaft von Weimar ein riesiger Skandal. Auch nachdem er Christiane nach 18 Jahren wilder Ehe geheiratet hatte, verstummten die hämischen Stimmen nicht, bis über ihren Tod hinaus. Der sehr lebendige und interessante Vortrag mit Barbara Sutor am vergangenen Montagabend beschäftigte sich weniger mit Goethe selbst und gar nicht mit seiner Dichtung, sondern mit dem Leben dieser Frau.

Christiane Vulpius war 16 Jahre jünger als er. Im Jahre 1806 heirateten sie – von den 5 gemeinsamen Kindern überlebte nur der Sohn August. Christiane wirkte durch ihr Aussehen und ihre sinnliche Ausstrahlung ordinär. Sie war aber keine Hure, wie ihr gerne nachgesagt wurde. Sie war allerdings ungebildet, z.B. in Orthographie war Biebeldäck = Bibliothek und Grüdick = Kritik.  Allerdings hatte sie einen gesunden Menschenverstand, sie sagte nichts Böses und hat immer ausgeglichen.

Ihr Leben kreiste ausschließlich um Goethe und dessen Interessen-wahrnehmung.  Nach 10 „Ehejahren“ starb Christiane im Jahre 1816 in Weimar an einem Nierenversagen einen grausamen Tod.  Zum 25. Jahrestag der ersten Begegnung (inoffizieller Hochzeitstag) schrieb Goethe das schöne Gedicht:

Gefunden
Ich ging im Walde so für mich hin,
und nichts zu suchen, das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich ein Blümchen steh’n,
wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön.

Ich wollt‘ es brechen, da sagt‘ es fein:
Soll ich zum Welken gebrochen sein?

Ich grub’s mit allen den Würzlein aus,
zum Garten trug ich’s, am hübschen Haus,

Und pflanzt es wieder am stillen Ort;
Nun zweigt es immer und blüht so fort.

Am Ende waren wir von diesen Ausführungen so begeistert, dass uns Frau Sutor als Zugabe noch zwei weitere Kapitel aus dem Leben von Christiane Vulpius offenlegte.

 

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